Anwaltsgemeinschaft Sonntag, Schönborn, Golumbeck und Hansmann

Tipps & Urteile


Mediation

Was ist Mediation?

Nach  §  1  Abs.  1  Mediationsgesetz  ist  die  Mediation ein  vertrauliches  und strukturiertes  Verfahren, bei dem  Parteien mithilfe  eines oder  mehrerer  Mediatoren freiwillig  und eigenverantwortlich  eine  einvernehmliche  Beilegung  ihres  Konflikts anstreben. Dass bedeutet,  es  soll  eine  Win-Win  Situation  für  alle Beteiligten angestrebt  werden.

Die Mediation hat folgende Prinzipien:

  • Eigenverantwortlichkeit
  • Freiwilligkeit
  • Informiertheit
  • Ergebnisoffenheit
  • Vertraulichkeit
  • Allparteilichkeit

Ausgangspunkt  ist  die  Erkenntnis,  dass  Konfliktpartner  fähig  sind,  die  für  sie akzeptable  Lösung  gemeinsam  zu  finden.  Das  Prinzip  der  Eigenverantwortlichkeit macht  deutlich,  dass  die  Lösung  von  den  Parteien  gefunden  werden  soll.  Der Mediator hat die Rolle, das Gespräch zu führen und zuvermitteln.

Bei Mediation geht es um Einsicht, insbesondere um Verständnis für den anderen. Es  gibt keine  Verlierer,  denn  letztlich  können  beide  Parteien  im  konstruktiven Gespräch nur gewinnen und den Konflikt klären.

Mediation  beruht  auf  dem  Prinzip  der  Freiwilligkeit, was  bedeutet,  dass  eine Mediation nur  Sinn  macht,  wenn  alle  Parteien  mit  der Teilnahme  an  einer  solchen einverstanden sind. Dies bedeutet natürlich nicht, dass die Mediation nicht jederzeit von einer der Parteien abgebrochen werden kann.

Sodann ist der Grundsatz der Informiertheit eine tragende Säule. Jede Partei sollte wissen, auf  was  sie  sich  im  Rahmen  der  Mediation  einlässt.  Der  Mediator  hat  die Rolle, hier aufzuklären und zu leiten.

Ergebnisoffenheit bedeutet, dass den Parteien schon im Vornherein klar sein sollte, dass Lösung  des  Konfliktes  nicht  nur  eine  einzige  Option ist.  Alle  Parteien sollten offen an die Mediation herantreten und im Rahmen dessen werden alle Optionen mit den Parteien herausgearbeitet.

Vertraulichkeit ist zudem eine Grundvoraussetzung der Mediation. Der Grundsatz der Vertraulichkeit gilt sowohl für die Parteien als auch die Mediatoren. Es bedeutet, dass Inhalte der Mediation – außer es wird gemeinsam anders vereinbart – nicht zu Dritten nach außen dringen.

Sodann ist zu erwähnen, dass der Mediator allparteilich ist. Das bedeutet, dass der Mediator, anders als ein Rechtsanwalt zu keiner der Parteien ein engeres Verhältnis hat.

Ergebnis der Mediation soll sein, dass eine einvernehmliche Mediationsvereinbarung getroffen  wird,  die  die  Interessen  aller  Medianten  berücksichtigt  und  eine annehmbare Lösung für diese darstellt.

Wir bieten Mediation im Bereich des Familienrechts (Trennung, Scheidung pp.,) im Arbeitsrecht  (bspw.  Mobbing,  Konflikte  am  Arbeitplatz),  im  Erbrecht  (bspw. Auseinandersetzungen  von  Erbengemeinschaften)  und  im  Nachbarschaftsrecht (bspw. Konflikte in einer WEG oder zwischen Nachbarn) an.

Haben  Sie  weitere  Fragen  oder  wünschen  Sie  die  Durchführung  einer  Mediation, dann kontaktieren  Sie  Rechtsanwältin  und  Mediatorin  Jennifer  Schönborn  gerne unter der Rufnummer 0231/9411990.


Vorsicht bei der Schadenregulierung

Vorsicht bei der Schadenregulierung: Das Schadenmanagement der Versicherungen

Nach einem Verkehrsunfall meldet sich häufig die Versicherung des Schädigers und bietet die Einschaltung eigener Reparaturwerkstätten und Gutachter an. Dies sieht zunächst nach hilfreicher Unterstützung aus. Zweck dieser Vorgehensweise ist es aber, der Versicherung Kosten zu ersparen.

Der Geschädigte sollte daher darauf achten, dass diese Sparbemühungen nicht zu seinen Lasten gehen. Auch wenn die Werkstatt der der Versicherung billiger ist: Es bleibt das Recht des Geschädigten, sein Fahrzeug in einer von ihm ausgewählten Werkstatt seines Vertrauens reparieren zu lassen. Grundsätzlich steht es ihm auch frei, einen Sachverständigen hinzuzuziehen, was schon sinnvoll ist, um zu prüfen, ob auch eine Wertminderung anfällt.

Er hat insbesondere einen Anspruch darauf, dass die gesamte Schadenregulierung durch einen Anwalt seines Vertrauens erfolgt. Nach fachkundiger Beratung kann er selbst entscheiden, ob er fiktiv abrechnet, in einer Werkstatt reparieren lässt oder eine Ersatzbeschaffung vornimmt und prüfen lassen, ob für ihn weitere Schadenpositionen geltend zu machen sind und ob ein Anspruch auf Nutzung eines Mietwagens oder Zahlung einer Ausfallentschädigung besteht.

Die Kosten für die Inanspruchnahme eines Rechtsanwalts hat die Versicherung des Schädigers zu tragen.

Dies gilt nicht nur für rechtsunkundige Verbraucher, sondern für alle Geschädigten, auch für Betriebsinhaber und Unternehmen mit entsprechender Geschäftserfahrung.

Das Amtsgericht Dortmund fand hierzu in einem Urteil vom 26.9.2009 (Az.: 431 C 2944/09) klare Worte:

„ … nach Auffassung des seit fast 30 Jahren mit Verkehrsunfall Haftpflichtfragen befassten Richters ( … ist) jeder Verkehrsunfallgeschädigte gut beraten, die Regulierung selbst kleiner Schäden wie der vorliegend angemeldeten und dann auch regulierten 645,13€ Schadensersatz von Anfang an in die Hand eines erfahrenen Rechtsanwalts zu geben. …
Da die Haftpflichtversicherer bei der Schadenregulierung inzwischen geradezu systematisch fast jede übliche Schadenposition in zahlreichen Zivilprozessen zum Gegenstand umfangreicher Auseinandersetzung machen, muss auch der geschäftserfahrene Geschädigte stets auf der Hut sein und befürchten, dass eine Schadenposition, die noch gestern anerkannt worden wäre, von der gegnerischen Versicherung jetzt nicht mehr akzeptiert wird. …

Schließlich gebietet es der Grundsatz der Waffengleichheit, dass auch der geschäftserfahrene Geschädigte sich durch Beauftragung eines Rechtsanwalts Augenhöhe im Verhältnis zur gegnerischen Versicherung beschaffen darf. Die Versicherungswirtschaft hatte sich mit einem Teil ihres Regulierungsverhaltens der letzten Jahre selbst zuzuschreiben, in Geschädigte nicht mehr vertrauen und von Anfang an anwaltlichen Rat suchen.“

Dabei kommt es auch nicht darauf an, ob es sich es sich um einen klaren oder einfachen Verkehrsunfall handelt oder nicht, wie wir beispielhaft das Amtsgericht Schwerte in seinem Urteil vom 17.10.2012 (2C 182/12) zitieren können:

„Ob es sich um einen – aus juristischer Sicht – einfach gelagerten Verkehrsunfall gehandelt hat, kann dahinstehen. Der eine anwaltliche Geltendmachung von Schadensersatz rechtfertige Aspekt ist bei jedem Verkehrsunfall, dass in jedem Fall die Kenntnis der einschlägigen Rechtsprechung zu der Frage notwendig ist, welche Schadenspositionen in welcher Höhe zu Recht verlangt werden können.“

Wobei unter anderem das Amtsgericht Duisburg in seinem Urteil vom 20.12.2012 (3C 2446/12) die Auffassung vertritt, dass es bei Verkehrsunfällen gar keinen „einfach gelagerten Fall“ mehr gibt:

“Im Laufe der Zeit hat sich eine umfangreiche Judikatur zu der Frage entwickelt, welche Schadenspositionen in welchem Fall ersatzfähig sind (Höhe der Sachverständigenkosten, Höhe der Mietwagenkosten, beachtlichkeit von Restertangeboten, Stundenverrechnungssätze einer markengebundenen Fachwerkstatt, Vorteilsausgleichung, Einsatz von gebrauchten Ersatzteilen … etc.).
Vor diesem Hintergrund kann generell nicht mehr gesagt werden, dass die Regulierung von Verkehrsunfallschäden einfach gelagert sei. Auch wenn im Einzelfall eine vollumfängliche Regulierung erfolgt, ist dem doch eine Prüfung vorausgegangen, damit der Geschädigte nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig geltend macht. Für diese Prüfung aber der auf der Geschädigte sich regelmäßig eines Anwalts bedienen …“

Rainer Sonntag
Fachanwalt für Verkehrsrecht